Zweiter Tag und noch keine Kultur gesehen? Zeit das zu ändern! Unsere Reise ging zum Osaka Castle. Dort konnten wir Wehranlagen, Gärten und die Burg selbst besichtigen. Die Wehranlagen bestanden aus großen Steinen und wirkten erhaben und nicht so düster wie europäische Festungen.
Die Gärten waren ruhig aber für mich persönlich etwas enttäuschend. Wir sind wohl in der falschen Jahreszeit gekommen oder haben noch nicht die schönen Gärten Japans gefunden.
Die Burg war zugleich ein Museum. Beim Aufstieg zur Aussichtsplattform konnte man einiges über die Festung, ihre verlorenen Kriege und die Selbstmorde der Anführer lernen. Leider waren viele interaktive Inhalte und Videos nur auf japanisch verfügbar. Oben angekommen wurden wir mit einer wundervollen Aussicht belohnt.
Als nächstes musste ein neues Ziel beratschlagt werden. Das ließ sich am besten im erfrischenden Schatten vor der Burg. Dabei wurden wir von einem sichtlich interessierten älteren Japaner entdeckt, der sogleich das "Gespräch" suchte. Uns wurde gezeigt, wie ein Origami-Pinguin gefaltet wird (Wehe, jemand frägt mich nach der Reise noch wie das geht! :D ) und wir tauschten Erdnüsse gegen Doughnuts. Als wir uns schließlich auf den Weg zu unserem nächsten Ziel, dem Osaka-Aufenthalt History Museum, machen wollten hab es die gewohnte Reaktion: "Oh, tall!". Ein neues Wort auf japanisch habe ich dabei auch gelernt: Chuo, das bedeutet Schmetterling.
In diesen Museum verlief die vorgeschlagene Route von oben nach unten. Wir begannen mit der Frühzeit von Osaka. Die Exponate waren leider nur auf japanisch beschriftet und zusammen mit dem Charme von Knochensplittern und Tonscherben in sterilen Vitrinen schien es ziemlich langweilig zu werden. Darauf erstmal eine ausgedehnte Pause mit Aussicht vom 7. Stock.
Die Epochen vom Mittelalter bis hin zur moderne waren deutlich anschaulicher und waren auch ohne Japanisch Kenntnisse gut. Kurz vor dem Ende der Route, im Osaka des frühen 20. Jahrhunderts, gab es noch eine Touristenattraktion: Anprobe von Kimonos dieser Zeit. (Wir mussten uns dazu erst von Kaja überreden lassen.)
Dieses Unterfangen machte allen Beteiligten sichtlich Spaß: uns, den freiwilligen Helfen bei der Einkleidung und vor allem den Zuschauern. Man stelle sich kleine Japanerinnen vor, die 2-m-Hühnen in etwas zu kleine Kimonos zwengen und ein Publikum, das so etwas noch nie zuvor gesehen hat. Allseits herrschte großes Gelächter. Wir mussten selbst für Fotos vom Publikum herhalten, während des Anziehens und fertig verkleidet. Die sonst bekannte Zurückhaltung gab es dabei nicht. Als Belohnung bekamen wir eine kurze persönliche Führung durch den letzten Ausstellungsabschnitt mit Fotos an jeder Station. Selbst auch mal die Touristenattraktion zu sein, war sehr lustig.