Donnerstag, 11. September 2014

Tony, der Dämon und der General

Dienstag, 09.09.2014 um 17:54 Uhr am Bahnsteig Shimogion (ein paar Kilometer nordwestlich von Hiroshima) treffen wir Herrn Tokuo Kozono. Über ihn wissen wir nichts, außer das er Englisch spricht. Trotzdem lädt er uns zu sich nach Hause zum Essen ein.

Die Zufahrt von Hiroshimadauert nur 20 Minuten. Sie reicht aus für eine ganze Reihe von Spekulationen. Ist er verheiratet? Hat er Kinder? Was arbeitet er? Wie begrüßen wir ihn? Das Regelwerk der Verbeugung kennen wir nicht. Was können wir Alles falsch machen? Über welche Themen können wir reden? Was machen wir wenn es langweilig wird?

Im Zug sind wir die einzigen Nicht-Japaner. Als wir aussteigen wird uns klar, dass wir in einem Vorort von Hiroshima sind in den sich nie Touristen verirren. Unter der Menge von Pendlern fallen wir deutlich auf. Für Herrn Kozono wird es leicht sein uns zu entdecken. Wir begeben uns in den Strom der Fahrgäste und lassen uns auf unsere Überraschung zu treiben.

Herr Kozono begrüßt uns mit einem freundlichen Lächeln hinter der Fahrkartenkontrolle. Kurz darauf folgt ein Händeschütteln. Er ist also schon gereist und ist sich sicher, dass diese Geste bei uns Vertrauen schafft. Zusammen beginnen wir den Weg zu seinem Heim.

Wir erfahren, dass es auch für ihn das erste Mal ist, dass er fremde ausländische Gäste bei sich aufnimmt. Er hatte jedoch für das Cultural Exchange Center u.a. in Hannover gearbeitet und als junger Mann Deutschland und Europa bereist sowie Nordafrika. Heute ist er 55 und lebt mit seiner Frau (Professorin), seiner Tochter und einem Enkelsohn in seinem Haus. Mit seinem Enkel sollen wir viel Geduld haben. Wir stellen uns vor und er bietet uns seinen Spitznamen an, Tony.

Sein Haus wirkt von außen wie man sich ein Haus eines bürgerlichen Japaners vorstellt. Es ist die geschwungene Bauweise mit schönen dunkelgrauen Dachziegeln und aufwändigen Ecken, dazu eine dunkle Fassade. Es ist ein japanisches Bilderbuchhaus mit modernen Materialien. Die Wände sind nicht aus Papier, vielleicht aus Pappe oder dünnem Holz. Wir werden in einen schönen kleinen Raum mit traditioneller Einrichtung geführt. Es gab Tami-Matten um einen niedrigen Tisch, einen shintoistischen Hausschrein und eine Nische für ein Tuschegemälde. Der Tisch war schon reichlich gedeckt. Es gibt Bällchen aus Teig, Ingwer und Oktopus. Sie werden auf dem Tisch frisch zubereitet. Das Gericht heißt "Name". Als Zeichen unseres Danks überreichten wir unser Geschenk.

Unsere Gespräche drehen sich um japanisches Essen und Verhaltensweisen, welche wir davon herausgefunden habenund welche wir immer missachtet haben, was wir getrunken und gegessen haben, was wir nicht kannten. Wir lernten seine Frau kennen, die leider kein Englisch sprach,  und seinen Enkel. Bei uns würde man ihn als AHDS-Kind bezeichnen oder als verzogenes Großelternkind. Während des Essens musste er jedoch draußen bleiben. Er übte noch einen Tanz, den er uns später vorführen wollte.

Wir begannen zu essen und zu trinken. Es gab als Getränke typisch japanischen Weizen-Tee, Wasser, Bier und Sake. Zu essen wurden uns zu den Bällchen Pilze, japanische Süßkartoffeln, und Meis. Alles schmeckte hervorragend. Doch dann fing sein Enkel an mit der Uhr zu drohen, er wollte sein Tanz vorführen. Wir unterhielten uns jedoch weiter und zögerten damit die Vorführung noch etwas hinaus. Uns wurden viele Details erläutert und erzählten von unserer Reise und den weiteren Plänen. Dabei hatten wir die Gelegenheit nach Tips zu fragen. Nach einer kurzen Weile gab der Enkel allerdings keine Ruhe mehr.

Das Licht wurde gedimmt und wir positionierten uns für den Tanz. Tonni erklärte uns, was wir gerade sahen und wie die Geschichte lautete. Ein General bekämpfte einen Dämon. Dieser Dämon versuchte den General zu vergiften. Dies scheiterte jedoch und der General tötete den Dämon. Im Anschluss tanzte der General. Die Vorstellung war für einen kleinen Jungen nicht mal schlecht aber vor allem war sie liebenswürdig. Am Erbe der Darbietung wurden noch Gruppenfotos von allen Anwesenden geschossen.

Nach diesen viel zu kurzen 2 Stunden war unser Besuch schon wieder zu Ende und wir begaben uns auf den Heimweg. Tonnis Enkel war sehr von uns begeistert. Daher begleitete er uns. Er durfte auf unsere Schultern sitzen und war damit deutlich größer als sein Großvater. Der Rückweg verging schnell und es war schade, dass der Abend schon vorbei war. Dieses Treffen war definitiv ein Highlight unserer Reise.

Mehr Bilder folgen hoffentlich bald.

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